Georgien - Kazbek

Eine Reise der anderen Art... zumindest für mich.

Mein Vater hatte ein Ziel, eine Idee, und in der Theresa hatte er durch Zufall jemanden gefunden, der genau das selbe Ziel vor Augen hat: Der Kazbek! Ein 5000 Meter hoher Berg in Georgien.

Die Zwei fragten mich, ob ich nicht mitfahren möchte und ich hatte Zeit, der Magnus musste sowieso arbeiten und so schnell würde ich nicht wieder die Gelegenheit bekommen, Georgien kennen zu lernen. Da ich mich aber nur dran heftete, habe ich die Planung dem Papa und der Theresa überlassen und fuhr als Blinder-Passagier mit. Ich wusste nichts über Georgien, außer dem was mir Wikipedia erzählte, und hatte keine Ahnung vom Kazbek, geschweige den vom Tetnuldi. Diese Tatsache alleine war schon völlig untypisch für mich. Normalerweise weiß ich wohin ich fahre, brenne dafür, recherchiere und plane. Aus diesem Grund war es für mich überraschend, dass auch die anderen Zwei nur einen ungefähren Plan hatten. Natürlich waren gewisse Stationen fix, aber meistens hatten wir völlige Freiheit in dem was wir machten. Ich tat mir zu Beginn sehr schwer mit dem treiben lassen. Durch die vorherigen genialen Kurztrips (Berichte gibt's ein anderes Mal) gierte ich nach mehr und die Energie sprühte nur so.

Den ersten Tag verbrachten wir in der georgischen Hauptstadt "Tbilisi". Es ist eine unglaublich faszinierende Stadt mit unzähligen Kontrasten. Neu direkt neben Alt, Reich neben Arm, Touristenströme vs. ruhige abgelegene Gassen. Und das Beste, wir fanden auf halbem Weg unserer Stadtrunde eine absolut geniale Bar in der wir mehrere Stunden verbrachten.

Am nächsten Tag ging es gemeinsam mit unserem lokalem Führer Georgi auf zum Kazbek. Die Fahrt führte uns an Gudauri vorbei, das traurige Schlagzeilen mit dem Skiliftunglück in diesem Winter geschrieben hat, und eines der größten Skigebiete in Georgien ist. In Kazbegi (Stepantsminda) angekommen, bezogen wir unser Zimmer im Guesthouse. Am darauffolgenden Morgen sollte es los gehen. Das Wetter war nicht besonders motivierend, da es immer wieder starke Niederschläge gab, doch es sollte besser werden. Beim Rucksack packen wurde ich langsam nervös, was brauche ich alles? Wie gut wird es mir mit der Höhe gehen? Wie in Gottes Namen soll ich diesen schweren Rucksack bis auf die Meteostation (Hütte ~ Baracke) hinauf schleppen? 4 bis 7 Stunden soll die Wanderung zum Basislager dauern, je nach Kondition. Für mich hieß dies, gleich der erste Tag zeigt wie gut meine Ausdauer ist und ob ich für dieses Abenteuer gerüstet bin.

In der Früh holte uns ein Taxi ab und wir fuhren bis zur Gergeti Trinity Church auf 2170 Meter. Von dort mussten wir unser schweres Gepäck die restlichen ca. 1500 hm zum Basislager hinauf tragen. Es war heiß, es war anstrengend, doch nach 4,5 Stunden hatten wir unser Ziel erreicht. Hinein in die Hütte und schon begann es zu regnen. Wir hatten riesen Glück, dass wir nicht nass wurden. Die Hütte ist nicht zu vergleichen mit denen in den Alpen. Es ist ein alter Betonbau, der weder Licht, noch irgendwelche Sanitäreinrichtungen hat. Die Betten sind Gesteller die bei jeder Bewegung mit schwingen und alles war sehr dreckig.

Die Plumpsklos befinden sich außerhalb der Hütte, doch diese waren dermaßen verdreckt, dass man lieber sonst wo ein lauschiges Plätzchen suchte. Da sich dies aber jeder Zweite dachte, sieht es rund um die Hütte auch dermaßen aus. Absolut widerlich! Auch der Müll der herumliegt ist einfach nur abstoßend, was für Schweine sind wir Menschen eigentlich? Ach nein, das ist jetzt eine Beleidigung den Schweinen gegenüber... wirklich, einfach nur traurig!

Nach einer für mich leider schlaflosen Nacht, machten wir einen Akklimatisationstag. Wir stiegen einige Höhenmeter zu der höchst gelegensten Kirche in Georgien auf und genossen den Ausblick. Ich spürte die Höhe, konnte wie gesagt nicht schlafen, mein Puls war höher als gewohnt, und doch fühlte ich mich gut. Auch in der folgenden Nacht konnte ich nicht schlafen und deshalb war ich sehr froh, als uns Georgi um 1 Uhr weckte und es endlich los ging.

Schnell Zähneputzen, aufs Klo und ein Blick nach oben, der einen wunderschönen Sternenhimmel zeigte und ein Lächeln auf meine Lippen zauberte. Im Dunkeln stapften wir dahin, ein Schritt vor den Anderen. Die Aufmerksamkeit ganz im Moment, der Blick immer auf den Lichtkegel der Stirnlampe gerichtet. Die Stunden vergingen wie im Flug und es erwartete uns ein unglaublich schöner Sonnenaufgang.

Während dem Aufstieg haben wir immer wieder Gruppen überholt, doch nun war dies leider nicht mehr möglich, da der Weg zu schmal wurde. Leider war die Gruppe vor uns relativ langsam unterwegs und brachte uns durch das ständige Stopp-and-Go total aus dem Rhythmus. Unser Führer war auch nicht gerade der Beste, denn er setzte im steilsten Stück zum Überholen an und zwang uns dadurch zu einem relativ schnellem Schritt. Der Theresa und mir machte dies nichts aus, doch leider konnte der Papa mit dem Tempoanstieg in der großen Höhe nicht ganz umgehen. Wir merkten schon, dass seine Atmung sehr stark war und er nicht mehr mit unserem schnellem Tempo mithalten konnte. Auf der Schulter, ca. 30 Meter unter dem Gipfel, angekommen, mussten wir uns eingestehen, dass es keinen Sinn mehr machte weiter zu gehen. Auch wenn das Ziel in so greifbarer Nähe war. Doch der Papa brauchte immer mehr Pause und der Sturm wurde stärker, was mich total auskühlte. Ich fror auch davor schon und für mich war eine lange Pause einfach nicht mehr drin. Also entschlossen wir uns zur Umkehr, da wir auf keinen Fall ohne dem Papa auf den Gipfel wollten, da waren die Theresa und ich uns einig.
Sobald wir ein Stück unten waren, ging es dem Papa schon wieder gut. Es war einfach nur die Höhe, die sein Körper dieses Mal nicht ganz geschafft hatte. Munter spazierten wir bis zur Hütte und nach einer kurzen Pause wieder zurück ins Tal. Bei gutem Essen und ein paar Bier ließen wir diesen anstrengenden, doch schönen Tag ausklingen.

Ich habe mich riesig gefreut, dass ich dieses Mal die Höhe gut vertragen habe. Obwohl, vielleicht ist es auch nur meine momentane Fitness, die die Einschränkungen durch die Höhe etwas ausgeglichen hat. Denn geschlafen habe ich fast nichts am Berg. Hunger hatte ich ebenfalls keinen und immer wieder spürte ich wie mein Herz raste. Höhenbergsteigerin werde ich auf jeden Fall keine!
Doch nicht nur wegen der Höhe, sondern auch wegen der Menschenmassen die sich auf diese bekannten, "leichten", hohen Berge schleppen. Ich finde es unmöglich, dass es Menschen gibt, die meiner Meinung nach ein viel zu hohes Risiko in Kauf nehmen, nur um sagen zu können, dass sie auf einem 5000er waren. Wo ist die Ästhetik wenn man auf allen Vieren auf den Gipfel krabbelt? Wenn man erst mal eine halbe Stunde liegen muss, bevor man wieder weiter gehen kann? Nein, lieber auf niedrigere, weniger berühmte Gipfel.
Und genau dies war auch unser nächstes Ziel in Georgien, der Tetnuldi, von dem ich euch ein anderes Mal berichte...







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